Der Silbervogel im Besitz der Schützenbruderschaft stammt aus dem 16. Jahrhundert.

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VOREIFEL · VORGEBIRGE

Ein halbes Jahrtausend Schützenwesen

Die Meckenheimer Bruderschaft feiert ihr 525-jähriges Bestehen. Die erste urkundliche Erwähnung verdankt sie einem Dieb


Von Susanne Träupmann


Meckenheim.Für Eckehard Haffner geht die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Meckenheim vor 1600 (1501) über alles. Dabei ist der stellvertretende Präsident 1992 eher zufällig zu den Schützen gestoßen. Nach zwei vergeblichen Versuchen wurde der Meckenheimer Bürgerkönig, seitdem ist er mit Leib und Seele Mitglied. „Das Schießen hat mir Spaß gemacht. Aber noch mehr hat mich die Historie und die Tradition interessiert“, erzählt Haffner. Er ist stolz darauf, dass „seine“ Bruderschaft in diesem Jahr bereits 525 Jahre alt wird – und damit seit einem halben Jahrtausend die Entwicklung von Stadt und Gesellschaft Meckenheims mitgeprägt hat.

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Die Königskette mit den Schilden der Schützenkönige aus den Jahren um 1770.

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Bis heute sind die Schützen aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken. Die erste urkundliche Erwähnung verdankt die Bruderschaft (die bis nach dem Zweiten Weltkrieg Schützengesellschaft hieß) vermutlich einem Dieb, der am 15. Januar 1661 in Villip verhaftet und später gehenkt wurde. In der Rechnung über die Hinrichtungskosten wurde vermerkt, dass neun Schützen und der Gerichtsbote ihn dort abgeholt hatten.


Laut Chronik ist die Bruderschaft vermutlich älter. Urkunden mit einem Gründungsdatum gibt es allerdings keine. Das Alter der Bruderschaft wird daher in der Literatur unterschiedlich angegeben und beurteilt. So nannte Wilhelm Ewald in seiner Arbeit über die „Rheinischen Schützengesellschaften“ 1933 als Gründungsdatum das Jahr 1600 – allerdings, so die Meckenheimer Schützen in ihrer Vereinsgeschichte, „ohne nähere Begründung“. Von einer erheblich früheren Gründung, nämlich 1501, geht das Rheinische Städtebuch (1956) aus. Auch dafür gibt es keine Quellen.


Allerdings unterstützt diese Angabe das älteste Stück des Schützensilbers. Die Darstellung einer Taube und die geringe Größe des Anhängers lassen nach Angaben der Chronik auf eine Datierung auf das 16. Jahrhundert schließen. Darauf beruft sich die Bruderschaft heute auch in ihrer Namensnennung „St. Sebastianus Schützenbruderschaft vor 1600 (1501)“.

Analog zu den Rheinbacher Schützen vermuteten die Meckenheimer Schützenbrüder zunächst ebenfalls, ihre Entstehung auf Anfang des 14. Jahrhunderts datieren zu können. Sie beriefen sich dabei auf einen Aufsatz von Klaus Fink (1979), der die Meckenheimer Schützen auf die Bogenschützen zurückführte, die im Zinsregister der Abtei Himmerod aufgeführt waren.


Eine Annahme, die sich nicht bewahrheitete. Denn von diesen unterschieden sich grundlegend die soziale Stellung und das Selbstverständnis der frühen Schützengilden – einer frühen Schützenbewegung, die aus Flandern stammte und im 15. Jahrhundert allmählich ins Rheinland einsickerte. Das waren freiwillige Vereinigungen des aufstrebenden Bürgertums, die sich weder als Militärcorps zur Stadtverteidigung noch als Bürgermiliz mit Ordnungsfunktionen verstanden, sondern regelmäßige Schießübungen mit Armbrust und Bogen zur Wehrertüchtigung durchführten.


Die Wahl des Namenspatrons St. Sebastianus zeigt die Nähe der Bruderschaft zur katholischen Kirche. In der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer gab es um 1600 einen Sebastianus-Altar und „offenbar gehörte zu diesem Altar auch eine Bruderschaft“, heißt es in der Chronik.



Die Geschichte der Bruderschaft spiegelt sich in den Königsschilden, Schützenvögeln und Königsketten wider, die im Tresor im Schützenhaus an der Schützenstraße diebstahlsicher aufbewahrt werden. Dort liegt sicher verwahrt auch der Schild des Schützenkönigs Jacob Schmitz, dessen Amtszeit (1695 bis 1697) dadurch dokumentiert wird. Die Schilde der einzelnen Schützenkönige sind in Aussehen und Form Spiegel ihrer Zeit.


Ihre Schilde kreieren und bezahlen die Majestäten bis heute selbst. So war es sowohl bei Pfarrer Cornelius Menze, der 1765 den Vogel abschoss – bei ihm symbolisierte die Pfarrkirche seinen Beruf – als auch bei Horst Bachmann (2008), der als Ingenieur Schiffsringe mit Schiffsschrauben verewigte. Mittlerweile sind die einzelnen Schilde so zahlreich geworden, dass sie an Ketten aufgereiht nur zu besonderen Gelegenheiten getragen werden.


1890 erwarb die Bruderschaft einen Teil des heutigen Schützenplatzes am „Taufweiher“. Dafür wurde ihre Anerkennung als „juristische Person“ beantragt, die sie am 18. September 1893 durch „Allerhöchsten Erlaß Seiner Majestät Wilhelm II von Preußen“ erhielt. Die beiden Weltkriege konnten der Bruderschaft nur wenig anhaben. Das sah bei der Flut 2021, die im Gebäude vieles zerstörte, anders aus. 


Erneuert werden mussten die Schießstände. Heute gibt es sechs Bahnen fürs Luftgewehr-Schießen – sie können auf zehn Bahnen für Wettbewerbe erweitert werden – und vier Bahnen für Kleinkaliber. Die Entfernungen sind dabei für unterschiedliche Disziplinen von 10 auf 50 Meter verstellbar.

Von den 70 Mitgliedern sind derzeit 25 Männer und Frauen aktiv. Einige engagieren sich auch bei den Sportschützen und sind daher auch bei der Rheinbacher Schützenbruderschaft aktiv, da die Meckenheimer nur Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sind.


Das gilt auch für Haffner, der sowohl historisch als auch sportlich bei den Wettbewerben unterwegs ist. Ihm bereitet große Sorgen, dass immer weniger junge Leute bei der Bruderschaft mitmachen. „Das Freizeitangebot in Meckenheim ist sehr groß. Junge Leute haben wohl Probleme, im grünen Rock mitzumarschieren.“ Beim Krönungsball mit Schützenkönigin Conny Klemmer erhielt die Bruderschaft zum Jubiläum die Ehrenplakette des Landes NRW.